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Pfändungspapiere über Facebook: „Gerichtsvollzieher Maier will Dich gruscheln“ 31. Dezember 2008

Posted by Langhaariger Bombenleger in Unsoziale Netzwerke.
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Trauerfeier per Webcam, Kündigung per Mail, Scheidung per SMS: Moderne Kommunikation ist mitunter etwas kühl geworden. Trauriger Höhepunkt ist nun, Facebook als Medium zu benutzen, um einem Paar die Pfändung seines Hauses mitzuteilen.
pixelio.de/Matthias Balzer)

In musilimischen Ländern soll es rechtlich verbindlich sein, wenn ein Mann seiner Frau dreimal per SMS die Scheidung verkündet. Im Westen reicht es auch ohne Rechtsverbindlichkeit, wenn eine Frau dies ihrem Mann per SMS mitteilt („Boris, Du bist draußen!“).

Ebenso war es gerade in Unternehmen der New Economy üblich, Entlassungen per Rundmail zu verkünden. Stil hat das allerdings nicht, und in Deutschland auch keine Rechtsverbindlichkeit.

Ebenso wie eine mündliche Kündigung oder Scheidungsabsicht ist hier eine schriftliche Erklärung auf totem Baum nachzuliefern, um Rechtsgültigkeit und auch Echtheit sicherzustellen.

In anderen Ländern sieht man dies dagegen nicht so verkniffen. So wurde einem Paar in Australien via Facebook der Pfändungsbeschluß ihres Eigenheims zugestellt.

Abmahnungen via iLove? „Gerichtsvollzieher Müller möchte Dich als Freund hinzufügen?“. Grusliges Gruscheln. Da kann einem die Lust auf soziale Netzwerke vergehen, die ja auch heute schon intensiv von Trollen und Stalkern befallen werden. Es reicht doch, wenn der Gang an den Briefkasten Nervosität auslöst, weil das Monatsende und damit der mögliche Kündigungstermin naht oder jedes Blatt im Faxgerät das Herz in die Hose sinken läßt, auch wenn es dann keine Anwaltspost, sondern nur Spamwerbung war.

Bombenlegen leicht gemacht verspricht jedenfalls, auch bei zukünftigen Gesetzesänderungen sich die Benutzung der Kommentarfunktion zu Kontaktaufnahme mit Lesern durch Staatsanwälte und Gerichtsvollzieher zu verbitten.

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